Vorderer Augenabschnitt

Pterygium (Flügelfell): Das Gewebe der Bindehaut kann sich durch Umwelteinflüsse (z.B. UV-Einstrahlung) verändern und ähnlich einer Narbenreaktion überschiessend auf die Hornhaut vorwachsen, was man als Pterygium oder Flügelfell bezeichnet. Das kann sowohl kosmetisch störend sein, als auch bei starkem Wachstum die Sehfähigkeit beeinträchtigen. Bei einer Pterygium-Operation wird dieses überschüssige Gewebe von der Hornhautoberfläche abgetragen und gleichzeitig auch die übrige erkrankte Bindehaut entfernt, um ein erneutes Wachstum des Flügelfells bestmöglich zu verhindern. 

Bindehaut-Tumoren: Wenn Zellen in der Bindehaut entarten und sich unkontrolliert teilen, kann es zu Tumoren der Bindehaut kommen. Solche Tumoren können vom Aussehen sehr unterschiedlich sein (z.B. pigmentiert oder unpigmentiert, erhaben oder flach). Zur Diagnosesicherung und gleichzeitigen Therapie werden solche Tumoren in der Regel chirurgisch entfernt, und das entnommene Gewebe dann unter dem Mikroskop untersucht. Im Einzelfall wird während der Operation eine Kryotherapie (Kältetherapie, „Vereisung“) durchgeführt oder werden nach der Operation spezielle Augentropfen (lokale Chemotherapie) appliziert, die das Risiko eines erneuten Tumorwachstums bei gewissen Tumoren weiter reduzieren können.  

Hornhaut-Erkrankungen: Aufgrund einer Erkrankung, Unfall oder Entzündung kann es zu einer Trübung, Vernarbung, Verdünnung oder Durchbrechen (Perforation) der Hornhaut und damit zu einer Sehverschlechterung kommen. In solchen Fällen ist eine Hornhauttransplantation notwendig. Dabei wird die trübe Hornhaut oder einzelne Schichten davon durch eine Spenderhornhaut (Transplantat eines Organspenders) ersetzt. Je nach betroffener Schicht der Hornhaut stehen verschiedene Operati-onsverfahren zur Verfügung:

Perforierende (durchgreifende) Hornhauttransplantation: Hier wird die betroffene Hornhaut kreisrund ausgestanzt und entfernt. Anschliessend wird eine Spender-hornhaut eingenäht

Vordere (tief-)lamelläre Hornhauttransplantation: Hier wird die Hornhaut nicht komplett ausgestanzt, sondern nur die oberflächlichen, betroffenen Schichten der Hornhaut vorsichtig abgetragen. Anschliessend wird das Transplantat aufgenäht. Ein solches Verfahren kommt in Frage, wenn nur oberflächliche und nicht alle Schichten der Hornhaut betroffen sind. 

Hintere lamelläre Hornhauttransplantation (DSAEK oder DMEK): Dieses Verfahren kommt zur Anwendung, wenn die innerste Schicht der Hornhaut (Endothelzellschicht) erkrankt ist. Im Rahmen dieser Operation wird das Auge eröffnet, die betroffene innere Schicht entfernt und durch eine entsprechende Schicht der Spenderhornhaut ersetzt. Diese wird dann mit einer Luft-Injektion angepresst.

 

Keratokonus / Crosslinking

Beim Keratokonus handelt es sich um eine Erkrankung des Auges, die mit einer Schwächung der Hornhaut (Cornea) einhergeht. Typisch für den Krankheitsverlauf ist eine kegelförmige Vorwölbung sowie Ausdünnung der Hornhaut, meist beginnend in der frühen Pubertät. Der Patient bemerkt die Krankheit oft erst relativ spät, häufig liegt bereits ein Sehkraftverlust mit starker Hornhautverkrümmung vor.

Um den Prozess der Hornhautausdünnung und Verformung zu stoppen und mögliche Vernarbungen zu verhindern, bietet das Inselspital seit ca. 15 Jahres das korneale «Crosslinking» an. Dabei wird unter Verwendung von Vitamin B2 und UV-Licht die Hornhaut versteift und es kann in den allermeisten Fällen ein weiteres Voranschreiten des Keratokonus erfolgreich verhindert werden. Ein Schwerpunkt des Inselspitals ist speziell die Behandlung von Kindern mit Keratokonus.

 

Hornhautulkus (Hornhautgeschwür): Bei Wundheilungsstörung der Hornhautoberfläche kann ein Gewebsdefekt entstehen. In Einzelfällen ist eine operative Deckung des Defekts mit einer Amnionmembran (Eihaut) notwendig, um eine weitere Verschlechterung bis hin zum Durchbrechen der Hornhaut abzuwenden. Bei den Spenderinnen solcher Amnionmembranen handelt es sich um gesunde Frauen, die ein Kind durch einen Kaiserschnitt geboren und einer Eihautspende zugestimmt haben. Unter sterilen Bedingungen wird die Eihaut dann in unserer Hornhautbank aufgearbeitet und konserviert. Die Amnionmembran hat eine wundheilungsfördernde Wirkung durch die in diesem Gewebe enthaltenen Wachstumsfaktoren. Gleichzeitig wirkt das aufgenähte Häutchen wie eine Leitschiene für die zuheilende Zellschicht der Hornhaut, und hat somit auch eine Wirkung wie ein „Verband“. Damit soll erreicht werden, dass der Hornhautdefekt zuheilt, so weitere Hornhautkomplikationen (Durchbrechen der Hornhaut, Infektionen usw.) vermieden werden und damit letztlich auch das Auge erhalten werden kann.