Altersbedingte Makuladegeneration (AMD)

Die altersbedingte Makuladegeneration (AMD) ist in den westlichen Ländern eine der häufigsten Ursachen für einen endgültigen Verlust der Lesesehschärfe im höheren Lebensalter. Knapp 30 Prozent der über 65-Jährigen zeigen typische Veränderungen am Augenhintergrund (auf der so genannten Retina bzw. der Netzhaut), davon rund zwei Prozent in fortgeschrittener Form. Die Erkrankung tritt meist beidseitig auf. Die Ursachen sind noch nicht vollständig geklärt, die Behandlungsmöglichkeiten deshalb begrenzt.

Der Krankheitsprozess ist beschränkt auf die zentrale Netzhaut, die so genannte Macula bzw. den Gelben Fleck. Die Macula umfasst ein Gebiet von 5 mm Durchmesser. In ihr liegt die Stelle des schärfsten Sehens, welche für das Erkennen von Details und zum Lesen essentiell ist.

Entstehung

Durch altersbedingte Stoffwechselstörungen  in den tiefen Netzhautschichten des Maculagebietes kommt es zu Ablagerungen von Abbauprodukten (sogenannten Drusen). Es folgt die Einsprossung von feinen aber meist minderwertigen Blutgefässen. Das führt zur erhöhten Blutungsneigung und zu dem gefürchteten Endstadium mit Narbenbildung – dem irreversiblen Verlust der zentralen Sehschärfe.

Risikofaktoren

Das Auftreten und der Verlauf der AMD wird vor allem beeinflusst durch das Alter, das Geschlecht (Frauen haben einen 2,5-fach höheres Risiko) und das Rauchen (Raucher haben ein 3-fach höheres Risiko). Genetische Einflüsse spielen eine wesentliche Rolle. Es besteht eine familiäre Häufung der AMD. Auch be allgemeinen Gefässerkrankungen wie Blutdruckerhöhung, Arteriosklerose sowie erhöhten Blutfettwerten und Lebensgewohnheiten (wie zum Beispiel excessive Sonnenexpostion) wird diskutiert, ob sie  können den Verlauf negativ beeinflussen.

Einteilung

Man unterscheidet zwischen zwei Formen:

  • Bei der häufigeren trockenen Form findet man Drusen und feine Narben im Sehzentrum. 80-85 Prozent der Betroffenen leiden an dieser Variante.
  • Die feuchte Form führt zu einem schnellen zentralen Sehabfall, bedingt durch das Auftreten von neuen, undichten Blutgefässen, die eine Flüssigkeitsansammlung unter der Macula sowie Blutungen hervorrufen. Die Sehschärfenabnahme ist bei der feuchten Verlaufsform meist gravierender als bei der trockenen Form.

Behandlungsmöglichkeiten

Das Ziel der Behandlung wäre das Verhüten der AMD (Prävention). Dies ist zum jetzigen Wissensstand nur bedingt möglich, da die Ursachen der Krankheit noch weitgehend unklar sind. Der Behandlung einer AMD sind daher ebenfalls Grenzen gesetzt. Gegenwärtig ist das Behandlungsziel, die neugebildeten Blutgefässe unter der Macula im Frühstadium zu zerstören. Allen therapeutischen Alternativen ist gemeinsam, dass die ursprüngliche Sehschärfe nur mit engmaschiger konsequenter Therapie – oftmals auch nicht mehr wieder hergestellt werden kann:

 

Medikamente

  • Vitamine (A, C, E) sowie Spurenelemente (Selen, Zink und andere).

 

Lasertherapien wurden vor der Möglichkeit der gefässwachstumshemmenden Medikamente oft durchgeführt.

  • Die Argonlasertherapie kommt nur für ca. zehn Prozent der Betroffenen mit neugebildeten Geässen ausserhalb der Macula in  Frage. Das Ziel ist die Zerstörung der neuen Blutgefässe unter der Netzhaut mittels Hitze. Der Nachteil dieser Behandlung sind laserbedingte Ausfälle im zentralen Gesichtsfeld bwz. sofortiger Sehschärfenverlust nach der Behandlung und die Möglichkeit des Wiederauftretens der zerstörten Blutgefässe.
  • Die photodynamische Therapie wurde erstmals in der Tumorbehandlung angewendet. Die Wirkung beruht auf der Aktivierung eines in die Blutbahn injizierten, photosensibilisierenden Farbstoffes (Visudyne) mittels eines Lasers. Das Ziel ist der Verschluss der kranken Blutgefässe durch eine sogenannte Photo-Thrombose. Gesunde Blutgefässe bleiben nur wenig beeinflusst. Nachteile sind die Mehrfachbehandlungen und dass sich nur wenige Patientinnen und Patienten für diese Methode eignen. Eine Wiederherstellung der alten Lesesehschärfe wird nur in wenigen Fällen erreicht. (MONTBLANC CBPD952A2309, PROTECT CM9S50802)

 

Chirurgische Verfahren

Durch die Fortschritte in der Technik der Mikrochirurgie ist es möglich, die neugebildeten Blutgefässe chirurgisch anzugehen. Die invasiven Therapiemöglichkeit wurden ebenfalls durch die gefässwachstumshemmenden Medikamente minimiert bis verdrängt. Die Erfahrung ist jedoch beschränkt, die Operationen werden nur an wenigen spezilalisierten chirugischen Zentren durchgeführt:

  • Entfernung von neugebildeten Gefässen, die unter dem Gelben Fleck wuchern.
  • Entfernung von unter der Netzhaut liegenden Blutungen. Nach der Operation entstehen jedoch Narben in der Netzhaut, die in den meisten Fällen ein befriedigendes Resultat der Sehschärfe verhindern.
  • Verlagerung der kranken Macula auf eine gesunde Netzhautstelle mittels Rotation der Netzhaut. In Einzelfällen wurden dadurch Sehverbesserungen erreicht. Der Eingriff ist sehr zeitaufwändig und mit erheblichen Komplikationsmöglichkeiten verbunden (z.B. Netzhautablösung, Blutungen, Entzündung des gesamten Auges, Ausbildung eines grauen Stars). Die Netzhautrotation bewirkt zudem eine Verrollung des Seheindrucks. Daher ist ein korrigierender Eingriff an mehreren Augenmuskeln erforderlich. (MARAN)

 

Vergrössernde Sehhilfen

Die zur Zeit bestehenden Therapiemöglichkeiten können zwar den fortschreitenden, zentralen Sehschärfenverlust teilweise verzögern. Sie stellen jedoch das  ursprüngliche Sehvermögen nicht wieder her. Mit vergrössernden Sehhilfen kann die verbliebene Sehleistung bestmöglich genutzt werden. Folgende Sehhilfen für Ferne und Nähe stehen zur Verfügung:

  • Handlupen, Lupenbrille, Fernrohrbrille
  • Bildschirmlesegerät
  • Grossdruck.

Die Anpassung vergrössernder Sehhilfen setzt eine entsprechende Erfahrung voraus (Low-Vision-Beratungsdienste).

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